
Versicherungsrisiken im Nicht-Lebenbereich entstehen durch die Zufälligkeit des Eintritts eines versicherten Ereignisses (Versicherungsnehmer-Fall) und der Ungewissheit über die Höhe der sich daraus ergebenden Verpflichtungen. Die wichtigsten Nicht-Lebenbranchen der Helvetia Patria Gruppe sind Sach-, Transport- und HUK-Versicherungen (Haftpflicht, Unfall, Kasko). Letztere setzen sich grösstenteils aus Motorfahrzeugversicherungen und zu einem kleineren Teil aus Haftpflicht-, Kranken- und Unfallversicherungen zusammen. Im Jahr 2005 wurden 73.4 Prozent des direkten Nicht-Lebengeschäfts der Helvetia Patria Gruppe ausserhalb der Schweiz generiert. Der Anteil an den Bruttoprämien pro Geschäftsbereich ist wie folgt: Schweiz 24.4 Prozent, Deutschland 24.5 Prozent, Italien 14.4 Prozent, Spanien 15.4 Prozent, Österreich 8 Prozent, Frankreich 3.8 Prozent und aktive Rückversicherung 9.5 Prozent (siehe auch Abschnitt 8 «Versicherungsgeschäft»).
Die gezielte Fokussierung der Helvetia Patria Gruppe auf ein geografisch diversifiziertes Portfolio mit grösstenteils kleinen Risiken (Privatkunden und KMU) unterstützt den Risikoausgleich und mindert das Gesamtrisiko von prospektiven Risiken, d.h. Risiken aus noch nicht eingetretenen, durch bestehende Verträge gedeckten Versicherungsfällen. Für bereits eingetretene Versicherungsfälle besteht ein Risiko, dass Ausmass oder Anzahl der Forderungen die Erwartungen übertreffen und die gebildeten Rückstellungen für zukünftige Schadenszahlungen nicht ausreichen (retrospektive Risiken). Die Gruppe begegnet diesen Risiken durch aktuarielle Kontrolle, angemessene Reservierung und Diversifikation. Trotz Risikoausgleich durch Diversifikation können einzelne Risikokonzentrationen (z.B. in Form einzelner Grossrisiken) und Risikokumulierungen (z.B. via portfolioübergreifende Exponierung gegenüber Naturkatastrophen) auftreten. Solche Risikopotenziale werden gruppenweit eingeschätzt und koordiniert durch Rückversicherung abgesichert. Die zentrale Einheit 'Gruppenrückversicherung' sichert dazu die einzelnen Geschäftseinheiten mit einem individuellen Rückversicherungsprogramm ab und kauft ihrerseits, unter Berücksichtigung von gruppenweiten Diversifikationseffekten, den notwendigen gruppenweiten Schutz am Rückversicherungsmarkt ein. Die so betriebene Absicherungspolitik erlaubt ein hohes Sicherheitsniveau bei moderaten Kosten.
17.2.1 Haftpflicht-, Unfall- und Kaskoversicherungen
Die Helvetia Patria Gruppe schreibt Haftpflichtversicherungen für Private, Motorfahrzeuge und Unternehmen. Haftpflichtforderungen resultieren aus Handlungen oder Unterlassungen, welche zu Körperverletzungen und/oder Sachbeschädigungen von Dritten führen. Im Rahmen der Motorfahrzeugversicherung werden auch Kaskoversicherungen vertrieben. Auf Gruppenstufe weniger bedeutsam ist die Unfallversicherung. Transportversicherungen werden separat betrachtet, da sie ein Nischengeschäft darstellen, welches hauptsächlich von der französischen Betriebsstätte betrieben wird.
(a) Vertragsbestimmungen, Garantien und Underwriting-Praxis
Die Helvetia Patria Gruppe steuert Risiken durch ihr Underwriting, eine angemessene Rückversicherung und eine proaktive Schadenabwicklung. Das Underwriting stellt sicher, dass die eingegangenen Risiken bezüglich Art, Schadenhöhe, Kundensegment und Ort den nötigen Qualitätskriterien genügen. So sind z.B. Forderungen aus Arbeitgeberhaftpflichtversicherungen als Folge einer strikteren Underwriting-Politik der Gruppe seit 1999 zurückgegangen.
(b) Risiken aus Konzentrationen, Kumulierungen und Trendänderung
Das Portefeuille ist europäisch gut diversifiziert mit einer erhöhten Gewichtung in der Schweiz und Deutschland. Grossschäden werden in der Regel über nicht-proportionale Vertragsrückversicherungen abgesichert.
(c) Unsicherheiten in der Schätzung von zukünftigen Schadenszahlungen
Insbesondere in der Haftpflichtversicherung erstreckt sich die Schadenabwicklung im Allgemeinen über eine längere Zeit. Die Helvetia Patria Gruppe ist haftbar für alle während der Vertragslaufzeit versicherten Ereignisse, auch wenn der Schaden erst nach Vertragsende festgestellt wurde. Neben der Anzahl der noch nicht gemeldeten Schäden ist auch deren Höhe im Voraus nicht bekannt. Die Gruppe stellt dafür so genannte IBNR-(incurred but not reported) Reserven, die im Rahmen der Schadenreserven ausgewiesen werden. Die Bestimmung dieser Reserven erfolgt über aktuarielle Methoden, die auch eine Abschätzung und Kontrolle des Reservenrisikos ermöglichen.
(d) Transportversicherungen
Die Helvetia Patria Gruppe betreibt das Transportversicherungsgeschäft als Nischenmarkt vor allem in Frankreich und zu einem geringeren Teil in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Die Helvetia Patria Gruppe ist vor allem im vergleichsweise risikoarmen Cargo/Hull-Bereich tätig. Die Kontrolle der Risikoexponierung erfolgt über lokale Zeichnungsrichtlinien und über die, durch das kleine Volumen mögliche, enge Beziehung zum Versicherungsbroker respektive Kunden.
17.2.2 Sachversicherungen
Die Sachversicherungsverträge decken Schäden an oder Verlust von Eigentum der Versicherten durch versicherte Gefahren oder Schäden und Verluste am Eigentum Dritter durch fahrlässige Handlungen oder Unterlassungen der Versicherungsnehmer. Aus Risikosicht unterscheidet die Helvetia Patria Gruppe zwischen Frequenz und Höhe der Schäden.
(a) Vertragsbestimmungen, Garantien und Underwriting-Praxis
Die Sachversicherungsportfolios werden vorwiegend durch die Gruppenrückversicherung rückversichert. Die Rückversicherungsverträge definieren Rahmenbedingungen, unter denen neu gezeichnete Risiken durch den jeweiligen Rückversicherungsvertrag gedeckt werden. Nicht im Rahmen der Vertragsrückversicherung gedeckte einzelne Grossrisiken werden fakultativ rückversichert. In der Regel wird ein Grossrisiko nicht gezeichnet, wenn nicht die entsprechende Rückversicherungsdeckung eingekauft werden kann. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine umfassende Risikokontrolle. Eine zusätzliche Risikokontrolle wird durch ein risikoorientiertes Underwriting von Grossrisiken ermöglicht.
(b) Risiken aus Konzentrationen, Kumulierungen und Trendänderung
Sachversicherung wird, mit Ausnahme der aktiven Rückversicherung, ausschliesslich in Europa betrieben. Die Versicherungsrisiken dieser Verträge sind in keinem Geschäftsgebiet konzentriert, und die Verteilung zwischen Geschäfts- und Privateigentum im Gesamtportfolio ist ausgewogen. Die relative geografische Konzentration der Risiken ist seit dem letzten Jahr stabil geblieben.
Das Sachversicherungsportfolio ist naturgemäss gegenüber Naturkatastrophen wie Überschwemmung, Windsturm und Erdbeben exponiert. Auch Grossschäden und durch Menschen verursachte Katastrophen können zu hohen Gesamtschäden führen. Beispiele sind Explosionen, Feuer und Ölkatastrophen. Die Anzahl und das Ausmass der Katastrophen für einen gegebenen Zeitraum sind von Natur aus unvorhersehbar. Die Helvetia Patria Gruppe schützt sich vor Katastrophenschäden sehr effektiv durch ein mehrstufiges Rückversicherungsprogramm und durch eine selektive Underwriting-Praxis. Schadenforderungen aus Grossschäden werden einzeln analysiert.
(c) Unsicherheiten in der Schätzung von zukünftigen Schadenszahlungen
Die Schadenabwicklung für Sachversicherung erfolgt in der Regel noch im Schadenjahr selbst.
17.2.3 Aktive Rückversicherung
Traditionell besitzt die Helvetia Patria Gruppe ein kleines aktives Rückversicherungsportfolio, dessen Volumen im Rahmen der Geschäftsstrategie beschränkt ist. Die Aktive Rückversicherung wird durch die Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft, St.Gallen, aus der Schweiz heraus betrieben. Bis Mitte der 90er-Jahre dominierte die Sachrückversicherung. In den letzten Jahren wurde das Portfolio breiter gefächert. In der Geschäftsphilosophie versteht sich die Aktive Rückversicherung als 'Follower' und beteiligt sich nur mit kleinen Anteilen an Rückversicherungsverträgen. Diese Politik der kleinen Anteile, kombiniert mit einer breiten Diversifikation – geografisch und nach Versicherungszweigen –, führt zu einem breit diversifizierten Rückversicherungsportfolio, welches keine grösseren Risikokonzentrationen zeigt.
(a) Vertragsbestimmungen, Garantien und Underwriting-Praxis
Die kleine Grösse der aktiven Rückversicherung ermöglicht einen detaillierten Überblick über die Kundenbeziehungen und eine strikte Risiko- und Engagement-Kontrolle des neu gezeichneten Geschäftes. Preiskalkulation und Reservierung werden durch ein spezialisiertes Rückversicherungsaktuariat vorgenommen.
(b) Risiken aus Konzentrationen, Kumulierungen und Trendänderung
Geografisch wird das Geschäft von Gesellschaften aus OECD-Ländern dominiert. Im Hinblick auf Grossschäden wurde ein Management-Informations-System eingeführt. Zusätzlich zur Kontrolle der
Risikoexponierung werden kumulative Risiken aus Naturgefahren mit aktuariellen Methoden wo möglich überwacht und quantifiziert.
17.2.4 Übergreifende Rückversicherung
Die Helvetia Patria Gruppe verfügt über eine gruppenweite Rückversicherungsdeckung. Diese bietet einen effektiven Schutz der Gruppe gegen Gross- und Ereignisschäden. Weitere Informationen zur Qualität der Rückversicherung und der Schadenabwicklung der letzten vier Jahre können Abschnitt 8 'Versicherungsgeschäft' entnommen werden.