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17.1 Ziele des Risikomanagements

Unmittelbares Ziel des Risikomanagements der Helvetia Patria Gruppe ist die systematische Identifikation, Quantifizierung und Überwachung aller wesentlichen Risiken sowie deren effiziente Bewirtschaftung im Rahmen der Risikomanagement-Organisation und der Absicherungspolitik. Die dazu notwendige Risikotransparenz wird durch ein in die Führungsprozesse integriertes Risikoreporting geschaffen.

Mittelbar unterstützt das Risikomanagement die Aufrechterhaltung einer der aktuellen und geplanten Geschäftstätigkeit angemessenen Kapitalisierung der Helvetia Patria Gruppe und ihrer Gruppengesellschaften.

Im Weiteren erlaubt die über das Risikomanagement geschaffene Risikotransparenz eine risikogerechte Kapitalallokation und unterstützt damit die finanzielle Führung.

17.1.1 Risikomanagement-Organisation
(a) Führungsstufe
Der Verwaltungsrat (VR) selbst ist für die Schaffung und Aufrechterhaltung einer geeigneten internen Kontrolle und eines Risikomanagements verantwortlich. Er trägt insbesondere die Verantwortung für:

  • Genehmigung und periodische Überprüfung von Entscheidungen mit strategischer Bedeutung (er ist verantwortlich für strategische Risiken);
  • Sicherstellung einer angemessenen Kontrolle der Wirksamkeit interner Kontrollsysteme durch die Geschäftsleitung (GL);
  • Sicherstellen der Implementierung und Umsetzung eines umfassenden Risikomanagements, das eine effiziente Allokation von Risikokapital und eine systematische Kontrolle der Risiken durch die Geschäftsleitung gewährleistet;
  • Überwachung des Risikoprofils der Gruppe durch Festlegen von Risikoobergrenzen in ausgewählten und definierten Risikokategorien. Dabei bestimmt der Verwaltungsrat sowohl Risikokapazität als auch Risikoneigung.

Der VR delegiert innerhalb des festgelegten Rahmens die operativen Elemente des Risikomanagements an den 'Anlage- und Risikoausschuss' (ARA). Die Verantwortlichkeiten und Pflichten sind wie folgt aufgeteilt:

(b) Operative Stufe
Die Geschäftsleitung übernimmt die Verantwortung für Durchführung und Einhaltung der durch den Verwaltungsrat festgelegten Strategien, Geschäftsgrundsätze und Risikolimiten. Beratend steht ihr dabei das Risikokomitee zur Seite. Das Risikokomitee koordiniert, überwacht und bewertet Risikoentscheide, Finanzierungs- und Absicherungsmassnahmen. Es tagt mindestens zweimal im Jahr und wird geleitet durch den Finanzchef (CFO) der Gruppe. Weitere Mitglieder sind der Leiter Anlagen (CIO), die Leiter 'Corporate Finance & Risk Management' und 'Gruppenrückversicherung', die Gruppenaktuare Leben und Nicht-Leben sowie ausgewählte Spezialisten, die für die Behandlung spezifischer Themen zur Sitzung aufgeboten werden. Die dem CFO unterstellte Abteilung 'Corporate Finance & Risk Management' sorgt für die nötige Risikotransparenz:

  • Die Risk Map informiert den Verwaltungsrat über die wichtigsten Risiken, deren Veränderungen und Risikobewältigungsstrategien.
  • Der Risk Report unterstützt ARA und Risikokomitee mittels detaillierter Informationen.

17.1.2 Risikomanagement-Prozess
(a) Finanzielle Risiken

Die finanziellen Risiken binden die Ressource Risikokapital im operativen Kontext und können mit Hilfe von Absicherungs-Instrumenten, Produktdesign oder anderen Risikomassnahmen beeinflusst werden. Die Helvetia Patria Gruppe kategorisiert finanzielle Risiken gemäss obiger Grafik. Diese Risiken beeinflussen das risikotragende Kapital und umfassen in diesem Sinne die gesamte Bilanz. Risiko wird als adverse finanzielle Abweichung von der geplanten Entwicklung verstanden. Lebenund Nicht-Leben-Risiken bilden die klassischen Versicherungsrisiken eines Erstversicherers, wobei der Rückversicherungsschutz eine wichtige Rolle, vor allem im Nicht-Leben-Risikomanagement, spielt (siehe Abschnitte 17.2 und 17.3). Das Finanzmarktrisiko versteht sich inklusive des Zins- und Währungsrisikos der Verbindlichkeiten.

Der Prozess des Asset-Liability-Managements (ALM) kontrolliert den vielseitigen Einfluss der Finanzmarktrisiken in einer integrierten Art und Weise und definiert sowohl Anlagestrategie wie auch Absicherungspolitik. Dazu verfolgt der ALM-Prozess zwei Ziele:

  • Zum einen stellt er sicher, dass statutarische Solvenzanforderungen und Verlustlimiten jederzeit eingehalten werden. Die Anlagestrategie wird dazu im Wesentlichen 'bottom-up' auf Stufe Geschäftseinheit bestimmt und aggregiert (taktisches ALM).
  • Zum anderen zielt er darauf ab, das ökonomisch bestimmte und der Anlagefunktion 'top-down' zugewiesene Risikobudget einzuhalten und optimal einzusetzen; dadurch wird der Grad des Asset-Liability-Mismatch kontrolliert und administriert (strategisches ALM; siehe Abschnitt 17.4). Der diesbezügliche Prozess befindet sich im Aufbau und steht im kontinuierlichen Abgleich mit den im Rahmen des Swiss Solvency Tests (Solvenz II) zu erfüllenden Anforderungen, welche definitiv per 1.1.2008 in Kraft gesetzt werden.

Gegenparteirisiken werden von den Finanzmarktrisiken separat behandelt (siehe Abschnitt 17.5).

(b) Operationelle Risiken
Die operationellen Risiken umfassen aus Sicht der Helvetia Patria Gruppe vor allem Risiken der Infrastruktur (z.B. Informatik), der Prozesse (z.B. Vertrieb) und der Menschen. Das Management operationeller Risiken erfolgt mehrheitlich dezentral, wird aber wo sinnvoll zunehmend zentralisiert. So wurde vor kurzem der Bereich Compliance als zentrale Gruppenfunktion ausgebaut, welche direkt dem Verwaltungsrat und seinen Ausschüssen rapportiert. Diese Kombination aus dezentralem und zentralem Risikomanagement gewährleistet eine effiziente Corporate Governance.

Im Bereich der Informatik, der grösstenteils dezentral je Geschäftseinheit geführt wird, wurde, um Effizienz und Qualität zu steigern, eine Plattform, bezeichnet als ITC (IT-Koordination), gegründet. Damit soll eine bessere Koordination der IT- Aktivitäten zwischen den Geschäftseinheiten erreicht werden. Die Fähigkeit der Gruppe, ihren Geschäften nachzugehen, hängt vom effizienten Betrieb ihrer Datenverwaltungs- und Informationssysteme ab. Diese könnten durch Überschwemmungen, Feuer, Stromunterbruch, Hardware- oder Softwareversagen oder ähnliche Ereignisse gestört werden. Die Helvetia Patria Gruppe hat deswegen Vorkehrungen in Prozessmanagement und Infrastruktur getroffen, z.B. mit der Unterhaltung von geografisch getrennten Doppelsystemen und der Ausarbeitung von Katastrophenplänen.


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